Jede Familie hat zu Weihnachten ihre eigenen Rituale, vor allem was das Familienessen und auch die Bescherung betrifft. So hatten sie auch meine Familie und ich als ich noch ein Kind war. Während wir am 24. Dezember unser Familienessen genossen haben kam das Christkind unbemerkt durch das Fenster in unser verdunkeltes Wohnzimmer, brachte die Geschenke, hinterließ eine Strähne von ihrem Engelshaar und erhellte schließlich den Christbaum. Während wir Kinder in einem kurzen Augenblick nicht aufmerksam waren läutete schließlich unsere altbewährte Christkind-Glocke zur Bescherung. Das Christkind war also da. Ich weiß noch genau wie oft ich an Heilig Abend aus dem Fenster geschaut und darauf gewartet habe das Christkind vorbeifliegen zu sehen, denn es besuchte ja schließlich auch die Nachbarn. So wurde ich groß, mit dem Glauben an das Christkind. Den Weihnachtsmann kannte ich auch, und doch ließen meine Eltern nicht vom Zauber des Christkindes ab.

Mein Mann, der auf den Philippinen aufgewachsen ist, genoss ebenfalls ein Familienessen am 24. Dezember, doch die Bescherung gab es erst am Morgen danach. Am Christtag, nachdem der Weihnachtsmann – der Santa Claus – über Nacht die Geschenke unter den Christbaum gelegt hatte. Santa Claus kam hier zwar nicht durch den Kamin, denn den gibt es dort nicht, sondern er parkte seinen Schlitten vor dem Haus und schlich sich unbemerkt hinein, während die Kinder schliefen. So war die Geschichte, wie sie mein Mann als Kind erzählt bekam – und so wie er sie auch den Kindern gerne weitererzählt.

Zwei Elternteile, zwei Traditionen. Unsere Familie ist doppelt gesegnet, mit zwei verschiedenen Kulturen und ebenso verschiedenen Traditionen. „Beim Papa kam der Santa Claus, bei der Mama das Christkind.“, so unsere fünfjährige Tochter im Kindergarten. Warum? Das ist eigentlich ganz einfach zu erklären: weil die Mama in Österreich aufgewachsen ist und der Papa auf den Philippinen. Bei der Mama kommt auch der Osterhase, bei dem Papa nicht – so ist das eben.

Christkind vs. Weihnachtsmann „Es kann nur das Christkind ODER der Weihnachtsmann kommen, sonst verwirrt man das Kind ja völlig!“ hat mir vor kurzem jemand gesagt. Verwirrt sah mir meine Tochter gestern Abend nicht aus als sie gemeinsam mit dem Papa den Weihnachtsbaum schmückte und dabei sogar ein Christkind und einen kleinen Santa auf den Baum hängte. Denn auch wir haben unsere eigenen Traditionen, zusammengewürfelt aus unserer beider Kulturen. Wir schmücken den Baum bereits einige Zeit vor den Feiertagen damit wir länger etwas von seiner Schönheit haben – das Christkind hat mit dem Schmücken nichts zu tun. Und natürlich auch um uns schön auf Weihnachten einstimmen zu können. Auf den Philippinen zB wird der Baum bereits Anfang November geschmückt, auch in den Einkaufszentren laufen zu der Zeit die Weihnachtslieder auf und ab. Und jeden, den man trifft und nicht sicher ist ob man ihn vor Weihnachten noch einmal sieht, dem wird auch ab dieser Zeit ein „advanced merry christmas“ gewünscht. Weihnachten ist dort eine ganz besondere Saison – mit Inselfeeling und Plastikbaum, doch wunderschön.

Doch wer legt bei uns eigentlich die Geschenke unter den Weihnachtsbaum? Der Papa spricht vom Santa Claus, die Mama vom Christkind. So haben wir Bilderbücher vom Weihnachtsmann, Socken zum Befüllen am Ofen und doch vor Wochen einen Brief an das Christkind geschrieben. Kurzum: wer die Geschenke am 24.12. unter unseren Baum legt überlassen wir der Fantasie unserer Tochter, denn auch wir Eltern bekommen natürlich weder den einen, noch den anderen zu sehen. Wir sprechen von beiden Figuren, und doch haben wir versucht es geografisch zu verankern: bei uns kommt wahrscheinlich das Christkind, am anderen Ende der Welt der Weihnachtsmann. „Vielleicht fahrt das Christkind gemeinsam mit dem Weihnachtsmann im Schlitten?“, sagte meine Tochter gestern Abend. „Ist aber egal, denn sie arbeiten eh zusammen, weil die Welt so groß ist – anders kann das gar nicht funktionieren bei all den Kindern!“ Wo sie recht hat, hat sie recht.

Auch wenn wir nicht genau definieren, wer bei uns die Geschenke bringt, der Zauber von Weihnachten – der christmas spirit – ist allemal vorhanden – und das ist doch die Hauptsache. Der Fantasie ist dabei keinen Grenzen gesetzt.

Posted by:Steffi

Herzlich Willkommen auf meinem persönlichen Mamablog! Hier schreibe ich, Steffi (31) über das Kinderglück als 2-fach Mama, arbeiten als Mama und ganz viel Alltagskram. Viel Spaß beim Lesen!

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