Es ist mitten in der Nacht. In der Küche ist es ganz dunkel. Nur der Leuchtstern auf der Terrasse wirft einen leichten Schein auf die kleine Wichteltüre. Ein ganz leises Knarren später und der Wichtel Jonte tritt heraus. „Fein…“, denkt er, „alle schlafen. Und diese duftenden Kekse!“ Mit einem riesen Lächeln im Gesicht beißt er vom Vanillekipferl, das die Kinder vor seiner Türe auf einer kleinen Puppen-Untertasse für ihn bereit gestellt haben.

Jonte ist kein typischer Wichtel, denn er mag die Dunkelheit eigentlich nicht so gerne. Trotzdem wartet er stets ab bis alle Kinder und Eltern im Bett sind, damit er ungestört durch die Wohnung spazieren kann. Und genau das ist jetzt seine Zeit, das Schnarchen vom Papa war nicht zu überhören.

Schnell holt er seine kleine Taschenlampe aus dem Haus und los geht’s. Seine kleinen roten Fließpatschen machen dabei ganz leise Geräusche. Von der Küche aus geht er ins Wohnzimmer. „Oh wow, die vielen Autos!“, sagt er und freut sich, dass der kleine Bruder seine Parkgarage am Abend nicht weggeräumt hat. Schnell ein paar Flitzer von der Garage runter fahren lassen und schon geht’s für ihn weiter.

Über die Couch hüpft Jonte in den Flur, wo er wie ein Skispringer-As landet. Vor dem Vorzimmerspiegel bleibt er kurz stehen, streicht seinen weißen Pullover und seine kinnlangen blonden Haare zurecht und schnippst sich selbst zu: „Wichtelig cool siehst du heute wieder aus!“ Fröhlich pfeift er weiter vor sich hin.

Die Türe zum Kinderzimmer steht einen Spalt offen. Schnell huscht der Wichtel hinein um sich darin umzusehen. Die beiden Geschwister schlafen tief und fest, ihr Atem ist ganz ruhig zu hören. Unten im Stockbett träumt der kleine Bruder, darüber seine große Schwester.

Jonte klettert vorsichtig zum kleinen Bruder hoch und deckt ihn wieder zu. „Diese kleinen Füße sind ja schon wie große Eiszapfen“, denkt er sich. Mit einem stolzen Lächeln im Gesicht klopft sich Jonte nach dem Zudecken die Hände ab. „Jeden Tag eine gute Tat.“

„Nanu, was ist denn das?“, fragt sich Jonte, der plötzlich von einem herunterfallenden Kuscheltier erschreckt wird. Die große Schwester beginnt im Schlaf zu weinen. Sofort weiß der Wichtel, was zu tun ist. „Aber wie soll ich denn das Kuscheltier nach oben ins Stockbett bringen?“, fragt er sich. Ihm wird ganz mulmig von dem Gedanken. Im Licht seiner Taschenlampe wirkt das Stockbett unendlich hoch. Das Stofftier ist zwar leicht, weiß er, doch mindestens drei Mal so groß wie Jonte selbst.

Schnell schmiedet er einen Plan. Mit einem großen Satz springt Jonte aus dem Bett und läuft zurück in die Garderobe. Dort findet er die Schuhe der Eltern. „Die Schuhbänder!“, ruft er und beginnt sie auszufädeln und zu einer langen Schnur zusammenzuknüpfen. „Das müsste reichen. Jetzt aber schnell!“, sagt Jonte und läuft mit großen Schritten zurück zum Stockbett.

In Windeseile bindet er das Kuscheltier fest und beginnt die Leiter hinaufzuklettern. „Ich schaff‘ das, ich schaff‘ das….!“, ermutigt sich der Wichtel und nimmt seine ganze Kraft zusammen…, „..nur nicht nach unten gucken!“. Noch ein klitzekleiner Kletter…schritt … und es ist geschafft. Jonte zieht das Stofftier die Stiege hoch und legt es in die Arme der großen Schwester.

Schnell hört das leise Weinen auf und das Mädchen öffnet ihre Augen. Mit einem riesen Lächeln strahlt sie Jonte an. „Danke, Wichtel Jonte!“, sagt sie und schläft zufrieden wieder ein. „Gern geschehen!“, antwortet er leise und streichelt ihr sanft über die Wange.

Es ist Zeit für Jonte zurück in sein Wichtelhäuschen zu gehen. Seine kurzen Wichtelbeine sind nun schon müde. Zu seiner Freude erblickt er die Spielzeug-Lokomotive unter dem Schreibtisch. „Die kommt ja wie bestellt!“ Er setzt sich rauf, drückt auf den Knopf – und los geht’s. An den Schuhen vorbei – und auf ins nächste Abenteuer.

© by Steffi

Posted by:Steffi

Herzlich Willkommen auf meinem persönlichen Mamablog! Hier schreibe ich, Steffi (32) über das Kinderglück als 2-fach Mama, arbeiten als Mama und ganz viel Alltagskram. Viel Spaß beim Lesen!

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